Russland im Wandel - Erinnerungen an die "gute alte Zei

Hier findest Du Insiderinformationen zum mittel- oder langfristigen Aufenthalt in Russland die Dir helfen das Leben in Russland zu meistern. Du lebst (noch) nicht in Russland? Dann könnte dieses Unterforum für Dich besonders interessant sein, damit Du von unseren Erfahrungen profitierst. Expats are welcome!
Zeppelin
Zar/iza
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Re: Russland im Wandel - Erinnerungen an die "gute alte Zei

Beitrag von Zeppelin »

fremantle hat geschrieben:Ja eben, ... Ich mein nur, das ist alles etwas übertrieben. Genau das Gegenteil Russlands. und dadurch auch nicht gut.
Der Vergleich hinkt aber noch etwas weiter: Wenn ein Spielplatz hier öffentlich anerkannt ist und dadurch Bestandsschutz genießt, ist es dem Erwerber des betreffenden Gundschücks kaum möglich, dort etwas anderes hinzubauen.

Aber das weicht ohnehin alles viel zu weit von dem ab, was ich meinte. Es ging mir mit dem Auslöser dieser Diskussion nicht darum, dass an der Stelle des Spielplatzes etwas anderes gebaut werden soll oder dass Sicherheitbedenken in haftungsrechtlicher Hinsicht vorlägen.

Sondern es ging darum das blinder Vandalismus und die egoistische Gier nach jedem Brett und jeder Metallstrebe in der Heimatstadt meiner Frau dazu führen, dass die Kinder der beieinanderliegenden Wohnblocks nur im Schlamm dazwischen spielen können.

Wo also ist die legendäre (verklärte) russische "Mir" geblieben?
"Wir brauchen Bürokratie, um unsere Probleme zu lösen. Aber wenn wir sie erst haben, hindert sie uns, das zu tun, wofür wir sie brauchen." (Ralf Dahrendorf)
fremantle

Re: Russland im Wandel - Erinnerungen an die "gute alte Zei

Beitrag von fremantle »

Die alte verklärte russische "Mir" wurde mit dem Westen einfach Deutsch: (gehört) Mir!

Es ist schade.
achim

Re: Russland im Wandel - Erinnerungen an die "gute alte Zei

Beitrag von achim »

Vielleicht war es aber schon immer nur ne Mär ...
Zeppelin
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Re: Russland im Wandel - Erinnerungen an die "gute alte Zei

Beitrag von Zeppelin »

fremantle hat geschrieben:Die alte verklärte russische "Mir" wurde mit dem Westen einfach Deutsch: (gehört) Mir!

Es ist schade.
In der Tat! Dabei wäre gerade deren Wiederbelebung im traditionellen bzw. ursprünglichen Sinne heute so wichtig. Damit nämlich könnten m.E. die Leute durchaus zurückbekommen, was sie vermissen.
Aber irgend etwas ist da offenbar kaputt gegangen...

@ Achim: Da bin ich mir nicht so sicher, obwohl es mir manchmal auch so vorkommt.
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Naila

Re: Russland im Wandel - Erinnerungen an die "gute alte Zei

Beitrag von Naila »

Hallo, inzwischen ist in Rußland eine neue Generation herangereift, mit der ich nichts anfangen kann. Leute, die zu UdSSR- Zeiten Babies waren und nur diese eine Realität kennen, machen Karrierre und...und...und. Kluge, ehrgeizige Leute. Aber da merke ich, wie alt ich schon bin und daß ich nie, nie mehr zurück kann. Für mich war es immer wichtig, mich beruflich zu realisieren. In Deutschland habe ich es trotz deutschem Universitätsabschluß nicht geschafft und werde es auch nie mehr schaffen, und manchmal stelle ich mir vor, wie meine berufliche Situation in Rußland aussehen könnte... Aber natürlich ist es alles Quatsch. Hier habe ich meine große Liebe gefunden und mit dieser Liebe läßt sich alles ertragen.
Zeppelin
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Re: Russland im Wandel - Erinnerungen an die "gute alte Zei

Beitrag von Zeppelin »

Naila hat geschrieben:In Deutschland habe ich es trotz deutschem Universitätsabschluß nicht geschafft und werde es auch nie mehr schaffen, ...
Das ist schade, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Du es nicht (nie) mehr schaffen solltest!
Ich weiß ja nicht, in was für Tätigkeitsfelder es Dich zieht.
Aber wenn Du das etwas genauer beschreiben würdest (ggf. auch per PN), könnte ich Dir evtl. ein paar Tipps geben. - Gar so fremd ist mir Dein Fachgebiet nun auch wieder nicht.

Ein guter Freund von mir (aus RUS vor sechs Jahren zugewandert und bereits Mitte 50[!]) hat es nun endlich auch geschafft. Er hatte nur bisher den Fehler gemacht, seine Kompetenzen etwas zu unterschätzen.

Selbst wenn man meint, man hätte bereits ALLES versucht, ist man nur allzu oft auf dem Holzweg. Das habe ich "am eigenen Fell" selbst erleben müssen.
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ferdystschenko

Re: Russland im Wandel - Erinnerungen an die "gute alte Zei

Beitrag von ferdystschenko »

manuchka hat geschrieben:Aber mich regt es schon ein wenig auf, wenn manche Aussiedler hier in ihrem russischsprachigen "Ghetto" wohnen und sich nur mit ihresgleichen abgeben, selbst nichts oder wenig tun, um sich als Deutsche, als die sie ja nun mal "zurück in die Heimat" kommen, zu integrieren (und damit meine ich in erster Hinsicht Sprache lernen und so), aber meckern, dass sie keine qualifizierte Arbeiten bekommen. Wie denn, wenn der Arbeitgeber sich mit ihnen nicht verständigen kann?
Aus Sicht gut des gut integrierten Bildungsbürgertums mag das alles Sinn machen. Aber mir scheint, dass du die Situation, in der sich viele Aussiedlier in ihren "Wohngettos" befinden, verkennst. Da weitestgehend mittellos, werden Aussiedler (genau wie Asylanten) gleich nach ihrem Umzug nach Deutschland vom Staat erstmal in irgendwelche Außenbezirke der jeweiligen Städte gesteckt, wo sie mit Anderen, die eine ähnliche Reise hinter sich haben, in großen Betonklötzen wohnen. Niemand spricht deutsch, entsprechende Kurse bekommt man auch nicht umsonst, mit Deutschen hat man keinen Kontakt und wenn, dann sind sie von der Verwaltung des sozialen Wohnungsbaus, unhöflich, autoritär, dumm. Arbeit findet man wegen mangelnder Sprachkenntnisse auch nicht. Außerdem kommen die meisten Aussiedler aus irgendwelchen Dörfern oder verarmten Gegenden in ihren Heimatländern, wo sie selbst arbeitslos waren und keinerlei Ausbildung bekommen haben. Was folgt, ist Frustration. Die Kinder wachsen auf in einem Umfeld des sozialen Siechtums und geraten leicht in kriminelle Kreise. Bei Jugendlichen geht der Frust schnell über in Aggression. Richtungsweisende Vorbilder oder Mentoren gibt es keine, die Eltern sind es schon lange nicht mehr.
Manche fordern sogar: "Wir Russen (sic!) sind mittlerweile viel mehr als Türken und Jugoslawen in Deutschland. Warum gibt es in den Bankautomaten z.B. keine russischen Menüs?"
Ich finde diese Frage, ehrlich gesagt, gar nicht so unberechtigt. Von Türken verlangt man zwar auch ein gewisses Maß an sozialer Integration, bekannter Fakt aber ist, dass sich die deutsche Umwelt genauso an diese Subkultur anpasst (z.B. in Form türkischsprachiger Menüs in Bankautomaten). Dass das für eine in RUssland aufgewachsene Minderheit anders sein soll, ist aus Sicht der Aussiedler nichts als Diskriminierung.
Und dann wird Arbeitslosengeld und Sozialhilfe kassiert und nebenbei schwarz gearbeitet (gut, das machen Deutsche auch) und Versicherungen werden beschissen (das machen Deutsche auch) und an Regeln und Verbote hält man sich nicht, denn das ist man ja so aus Russland gewöhnt... Ich habe nichts dagegen, wenn die Leute die Kultur pflegen, in der sie groß geworden sind. Aber bei manchen Dingen sage ich mir: Wenn du so leben willst wie in Russland, dann musst du eben in Russland leben. Und wenn du in Deutschland leben willst, dann musst du dich eben an gewisse elementare Regeln halten, auch wenn du die in Russland nie einhalten würdest.
Genau das lernt man aber nur durch gute Integration, die zu einem großen Anteil von Anfang an in der Verantwortung des deutschen Staates liegt. Aussiedler sind eben Deutsche. Dass sie sich selbst oft als Russen bezeichnen, liegt wohl eher daran, dass sie von ihren deutschen Mitbürgern als Russen gesehen und auch so betitelt werden.

Ich arbeite zwei- dreimal im Monat ehrenamtlich in einem Laden, der Lebensmittel an Bedürftige austeilt. Ein Großteil der Kundschaft dort kommt aus GUS-Staaten. Meistens sind es die (Groß-)Mütter oder (Groß-)Väter, die zu uns kommen, den jüngeren ist es vermutlich peinlich. Mein Eindruck ist, dass viele von ihnen sich einfach schämen, so schlecht Deutsch sprechen zu können. Aber woher soll das auch kommen? Viele haben nicht einmal einen vernünftigen Schulabschluss und sind mittlerweile auch schon recht alt, nochmal eine Sprache von grundauf neu zu lernen. Wenn es ihnen denn überhaupt angeboten würde.
Will

Re: Russland im Wandel - Erinnerungen an die "gute alte Zei

Beitrag von Will »

Hallo,

ich erinnere mich auch gern an die gute alte Zeit, da gab es die Mauer noch, und da musste man sich nicht täglich das Geheule von den Jammer-Ossis anhören. Da hat Schreinemakers noch für die Nation gejammert :lol:
Bonn war Hauptstadt, FJS Bayerischer Ministerpräsident und wir hatten eine gute Zeit (vergessen sind all die kleinen Wehwehchen).

Komisch, nach einer deutschen Menükarte in den Moskauer Restaurants zu fragen, auf diese Idee bin ich übrigens noch nie gekommen. :roll:

Gruss, Will
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Re: Russland im Wandel - Erinnerungen an die "gute alte Zei

Beitrag von Zejtnot »

Naila, viele Russlanddeutsche kehren im Moment zurück und profitieren genau von dieser Kombination westlicher und russischer Mentalität. Wobei man natürlich eine gewisse "Brutalität" benötigt, um sich in diesem wilden Markt zu behaupten.
Naila

Re: Russland im Wandel - Erinnerungen an die "gute alte Zei

Beitrag von Naila »

Zejtnot hat geschrieben:Naila, viele Russlanddeutsche kehren im Moment zurück und profitieren genau von dieser Kombination westlicher und russischer Mentalität. Wobei man natürlich eine gewisse "Brutalität" benötigt, um sich in diesem wilden Markt zu behaupten.
Ja, daran habe ich auch schon gedacht, doch dann habe ich meinen künftigen Mann kennengelernt.... Er ist Deutscher, hat hier ganz in der Nähe seine ganze Familie, an der er sehr hängt und die mich auch voll akzeptiert, seinen besten Freund, ohne den er nicht einmal 1 Woche überleben kann und natürlich seine Arbeit. Ich könnte ihn hier nicht herausreißen. Außerdem...wie ist so eine Rückkehr? Für jeden Menschen unterschiedlich. Nur weil, ich in Rußland geboren bin, heißt es nicht, daß ich dort, wo man was aufbauen könnte, auch eine Verwandschaft habe, die mir sofort unter die Arme greifen würde. Und darauf kommt es ja dort in der ersten Zeit an. Und natürlich die Gesundheit. In der jüngsten Vergangenheit bekam ich eine Diagnose, da sterben viele dran. Na ja, Krebs halt. Und obwohl mittlerweile alles fantastisch ist, wäre ich bei solchen Schritten in Länder, wo die meisten Therapien privat bezahlt werden müssen, sehr zurückhaltend.
Also, ich habe hier schon eine Arbeit, sogar eine hochqualifizierte, wo ein Hochschulabschluß Voraussetzung ist, es ist sogar eine Tätigkeit, die ich an sich gerne tue, aber... die Arbeitsbedinungen sind wie in Zentralafrika. Wenn irgendwelche Leute des öffentlichen Dienstes oder Milchbauern streiken, kann ich da nur laut lachen.
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